
Robert Tauber erarbeitet Unikate, ist ein Individuum, ist insofern ein Unikat das folglich Unikate erarbeitet. Das bietet Anknüpfungspunkte.
Seine Schutzhülle ist nicht undurchlässig, das will auch Robert Tauber nicht. Auch er arbeitet seine Dinge nicht für sich alleine. Sie sind sein Beitrag zum Gemeinsamen, aus dem er sich sonst weitgehend heraushält. Künstler sind die an allerwenigsten organisierte Minderheit, sie eignen sich ausgezeichnet für Missverständnisse. In diesem Milieu einigermaßen unbeschadet hohe Qualität zu erarbeiten ist Hinweis, dass der Druck enorm war.
Er entwickelte seine Arbeiten ruhig und ohne öffentliches Aufheben. Sein Schaffensdrang erodierte insofern kaum.
Das Tun der Hände an der Materie zeitigt Berührungspunkte. Die Haptik bietet ein umfassendes Begreifen der Skulptur.
Ein nicht sehender Mensch registriert keine Rückseite sein dreidimensionales Verständnis ist umfassend und nicht in Vorder- und Rückseite aufgeteilt, lediglich das visuelle Bild sieht so aus.
Frage wäre, wo die Naht ist, wo es beginnt und endet. Dreidimensionalität hat nicht Beginn und Ende, siereicht fugenlos rundum. Ein nicht Sehender weiß das, er kann dem Sehenden die Dreidimensionalität erklären. Wir sehen stets nur Vorder- oder Rückseite, nie das ungeteilte Ganze.
Der Bildhauer aber muss das Ganze begreifen, wenn er eine Skulptur erarbeiten will. Dieses Ganze erschöpft sich nicht in der Skulptur, es geht über sie hinaus, ist doch stets einem Milieu, wie auch der Betrachter. Man erlebt die Umgebung mit, nichts ist ohne Gegenüber.Es gibt, so gesehen, Gemeinsames über das man Schlüsse auf Werk und Person ziehen kann. Die Intuition leitet einem dabei ebenso wie bei der skulpturalen Arbeit. Ergebnis sind Wahrscheinlichkeiten, fixe Wahrheiten gibt es in der Kunst nicht, man geht über Vermutungen vor.
Tauber selbst äußert sich über seine Arbeit kaum, über das lineare Medium der Sprache ist sie letztlich nicht definierbar. Lineare Sprache und Dreidimensionalität sind wenig kompatibel. Man sollte sich über das Erleben annähern.
Wenn Kunst das Jetzt definiert, spielt Wissen und Erfahrung keine Rolle. Wissen und Erfahrung ist von gestern, das Gestern kann das Jetzt nicht definieren.
Wir wissen noch nicht was Jetzt ist, war es doch bis zu diesem Moment noch Zukunft. Das Jetzt wird über das Tun am Werkstück definiert.
Im kreativen Prozess denkt man nicht. Will, was da vor einem geschieht nicht mit Gewesenen vermischen, will auch dieses Wollen nicht. Was da entsteht soll unbeschädigt sein von Verflossenem und Kalkül. Man entwickelt aus Ahnungen Wahrscheinlichkeiten. Man benützt Intuition nicht, sie ist so nicht greifbar, ist die Konsequenz aus unbewusster Erfahrung und geschieht einem.
Ein Bild, eine Skulptur kann stimmen, so wie ein Musikinstrument gestimmt wird. Malerei, Skulptur ist eine Komposition nach Raum, Farbe und Morphologie.
So sind Robert Taubers Kreationen Kompositionen, deren Farben, Formen ordnen sich nach Gesetzmäßigkeiten, nichts ist irgendwie.
Das Vertrautsein mit Materie macht den Umgang mit ihr erst sinnvoll. Die kreative Hand macht die Realisierung von Vorstellungen erst möglich.
Dies in der Vielfalt, die der Betrachter in Robert Taubers Arbeiten erlebt.
Peter Paszkiewicz
12. August 2025
